Schleusenidyll Brandenburg Plaue

Reisevignetten aus der Mark Brandenburg

Richtung Genthin findet sich eingebettet in die havelländische Fluss-, Seen- und Kanallandschaft die im Ursprung 1745 fertiggestellte Schleuse für den heutigen Woltersdorfer Altkanal, in Zeiten ihrer Erbauung als „Plauer Kanal“ Teil einer friedrizianischen Infrastrukturprojekts, das die Havelseen im Raum Brandenburg mit der Elbe verband und so den Weg nach Magdeburg um 150 km verkürzte.

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Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Großes Haus © Silke Winkler

Wölfe und Weltkulturerbe

Unter die Schatten spendenden Bogenstellungen des dem Haupteingang zum Schweriner Staatstheater vorgelagerten Altans hat sich ein Rollstuhlfahrer vor der Sommerhitze geflüchtet. Der Mann in fortgeschrittenen Jahren erweist sich als unaufdringlich kommunikativ und mit allerhand Hinweisen auf Öffnungszeiten und Spielstätten gefällig.

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Berliner Krolloper. Zentrum der Opernavantgarde. Bühnenbildentwurf des Bauhauskünstlers László Moholy-Nagy zu Hoffmanns Erzählungen, 1929

Demokratie statt Massenmanipulation

Der Einzug von Elementen der Massenkultur und Unterhaltungsindustrie in die Oper hatte sich in der ersten Zusammenarbeit Hindemiths und Schiffers angekündigt. Ihre 1927 in Baden-Baden uraufgeführte Kurzoper „Hin und zurück“ bewegte sich auf eine musiktheatralische Gestalt zu, in der die überkommene Operndramaturgie und deren Ausdrucksformen in Arien und Ensembles ironisiert, parodiert und persifliert wurden.

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Otto Klemperer (1885-1973). Dirigent der Uraufführung

Falsche Gefühle und echte Badefreuden

Der Humor des mit „Duett-Kitsch“ überschriebenen Zwiegesangs im Museum (I,4) wächst aus der Uneigentlichkeit der Situation. Während die Regieanweisung von Laura fordert, einige „Mühe“ aufzuwenden, um sich „in eine falsche Ekstase“ zu steigern, soll dem „schönen“ Herrn Hermann anzumerken sein, „daß er lediglich eine Kundin gut bedient.“

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Paul Hindemith (1895-1963)

Gebrauchsmusik im Opernhaus

Kaum mehr als vierzig Musiker bevölkern den Graben. Die hohen Streicher dünnt Hindemith bis auf lediglich sechs Violinen aus. Das Blech ist doppelt besetzt. Üppiger das Holz, für das die Partitur auch ein Alt-Saxophon vorsieht. Bei den Zupfinstrumenten gesellen sich zur Harfe Mandoline und Banjo.

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Traugott Müller (1895-1944), Bühnenbildentwurf zur Uraufführung von „Neues vom Tage“

Kabarett und Revue

Scheinheiligkeit und Doppelmoral des antiquierten Eherechts im Mix mit der Sensationslust von Publikum und Medien ließen Librettist Marcellus Schiffer zur Höchstform auflaufen. Der prominente Kabarett-Texter trieb die Opernhandlung durch Sketche wie aus seinem angestammten Metier voran.

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Traugott Müller Paul Hindemith Neues vom Tage - 1929

Hilft bei Moralinvergiftung

Wie sehr musste ein Bühnenwerk ins Schwarze treffen, wenn der Erzhetzer Goebbels in seiner Sportpalast-Rede vom siebten Dezember 1934 darüber geiferte: „Das ist es ja, dass Gelegenheit nicht nur Diebe, sondern auch atonale Musiker macht, die, um der Sensation zu dienen und dem Zeitgeist nahezubleiben, nackte Frauen auf der Bühne in obzönsten und kitschig-gemeinsten Szenen im Bade auftreten lassen und sie … mit den misstönendsten Dissonanzen einer musikalischen Nichtskönnerei umgeben.“

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Café Sperl, Wien

Biblischer Caféhausliterat

Jüngst empfahl ich jemand für dessen gegenwärtige Lebenssituation das Buch Kohelet, eine kleine Schrift des für Christen Alten Testaments, entstanden wohl im dritten vorchristlichen Jahrhundert und ohne die Berührung mit der zeitgleichen hellenistischen Philosophie, sonderlich Epikurs, kaum denkbar.

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Belriguardo in Weimar. Schloss Belvedere

Fünfte und (vorläufig) letzte Anmerkung zu Goethe

Selten lässt sich ein Stück so bündig zusammenfassen wie Goethes >Tasso<: Erfolgreicher Dichter aus niederem Adel verliebt sich in Prinzessin und wird in seine ständischen Schranken verwiesen. – Goethe schreibt als Angehöriger des Hofes für ein höfisches Publikum, als Höfling. Für Heutige besitzt das Sujet allenfalls geschichtliche Bedeutung.

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Vierte Anmerkung zu Goethe

Im Januar 1802 korrespondiert der in Jena weilende Goethe mit Schiller in Weimar unter anderem über eine Bühnenfassung der >Iphigenie<, die dann am 15. Mai des Jahres im Weimarer Hoftheater zur Aufführung gelangt. Goethes Brief enthält die prominente, immer wieder zitierte, Einschätzung seines Dramas als „ganz verteufelt human“.

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